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KOSMISCHE TRÄUME
UND INDIVIDUELLE EKSTASE

Shamal Amin zu Faek Rasul und seiner künstlerischen Arbeit

Kaum ein Künstler ist so sehr mit eigenen individuellen Ursprüngen und Erinnerungen verbunden wie Faek Rasul. Seine Kunst geht von ihm selbst aus. Die Vergangenheit ist immer da, mit all ihren Dimensionen, Schatten- und Lichtseiten sowie die Lebenslinien mit ihren Schmerzen und Freuden.
Kunst zu schaffen, heißt bei ihm nichts anderes als das Erreichen des eigenen Selbst und die Offenbarung der unsichtbaren Welten.

Faek Rasul findet und ergreift in seiner Kunstheimat alle ästhetischen Werte, die in Realheimaten verloren gegangen sind. Dadurch entsteht neue Willenskraft, die sich im Individuum und seiner neuen Weltanschauung offenbaren. Leben und Kunst bilden bei Rasul eine untrennbare Einheit und eine innere Notwendigkeit, welche auch das eigentliche Motiv seines Stilwandels darstellt und unmittelbar mit seiner kontinuierlichen Suche nach neuer Ästhetik verbunden ist.
In seiner Kunst erfasst er den Mensch als Ganzes mit all seinen Träumen, Hoffnungen, Ängsten, Sehnsüchten und Leidenschaften. Für ihn werden die Menschen zum Synonym des Daseins. Er enthüllt Kräfte, die hinter der sichtbaren Wirklichkeit liegen. Hier kann man nicht mehr über zerstückelte Körper und Räume sprechen, sondern über den "totalen Akt" und das "totale Bild".
Seine Bilder in den vier unterschiedlichen Entwicklungsphasen (Schwarzweiß, Violette Akte, Grabstein, Mythos) erinnern uns an Dinge, die er nicht über das gesprochene Wort ausdrücken kann oder will.

Seit Anfang der 90er-Jahre kenne ich alle künstlerischen Arbeitsphasen von Faek Rasul. Er begann mit Schwarzweiß, um seine Beziehung an etwas zu verknüpfen, was nicht mehr da ist. Die Verwendung von nur Schwarzweiß als künstlerische Sprache, ihre Intensität und Umsetzung in die Fläche mit stark überströmender schwarzer Farbe entfaltete sich als eigene Künstlerindividualität.

Die zweite Phase Violette Akte, die ab 1993 entstanden ist, war ein unerwarteter Aufbruch zu neuen Ufern, in der er sich leidenschaftlich zu reiner Farbe bekennt. Ein Kontext, in dem die tiefen Räumlichkeiten durch die Beziehung von Farbwerten ersetzt wurden.

Im Zuge der dritten Phase Grabstein, begonnen ab 2000, der ich zum ersten Mal in der Wiener M-Art Galerie begegnete, konnte ich bemerken, dass Rasul mit anderen Dimensionen der Farbe experimentiert. Und gleichzeitig setzt er sich unmittelbar mit einem ewigen Thema, nämlich dem Tod, intensiv auseinander. Ich fragte mich: warum Grabstein? Die Macht des Titels am Rande der Bilder führt uns blitzschnell atemlos zu deren Zentrum und zwingt uns das Thema Tod zu behandeln.
Der Tod ist niemals die Geschichte der Toten, sondern ist die Geschichte der Lebenden, die mit diesem Ereignis konfrontiert werden.
Der Friedhof als ein kultureller Text beinhaltet eigene geordnete Zeichensysteme wie Architektur, Kleidung, Mauer und Schriften. Faek Rasul versuchte ein Element von diesem kulturellen Text zu einem ästhetischen Kontext zu transformieren.
Diese Kette von Bildern, oder besser gesagt, diese Entwicklungsreihen in seiner dritten Phase haben mich total fasziniert. Wenn ich durch den Titel, durch die Macht des Randes, das Zentrum beobachtete, kam mir der Tod entgegen. Aber wenn ich dann durch das Zentrum der Räumlichkeit dem Bild selbst begegnete, stieg Feierlichkeit auf. Und Feierlichkeit ist existent, es ist ein Körpersein. Letztendlich gelangte ich zur Überzeugung, dass die Infragestellung der Gegensätze typisch für Faek Rasuls Kunst ist.

Die vierte Phase von Faek Rasul ist ein Abenteuer mit Gedächtnis, mit Ursprüngen. Der Raum in dieser Phase erweitert sich. Eine Welt ohne Grenzen. Ein Aufbruch zu unbekannten Ufern.
Faek Rasul verwendet hier zwei komplizierte Zeichensysteme: Zahl und Schrift. Die Zahlen werden aus einer abstrakten mathematischen Einheit in eine ästhetische Struktur, und die Schriften aus einem kollektiven Gedächtnis in ein individuelles Gedächtnis transformiert.
Rasul schafft eine fließende Schrift, in der die Farbe zur Lust wird. Die Farbe ist einer Handlung ähnlich, mit der man immer etwas Neues weiter entdecken kann.
Diese Entwicklungsphase von Faek Rasul bezeichne ich als Mythos. Aber Mythos als eine ganz besondere Art, als eine Assoziation zu Hier und Jetzt.


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Shamal Amin zu Faek Rasul

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